Haushaltsrede 2026

Rede zur Verabschiedung des Haushaltes der Stadt Grevenbroich für das Jahr 2026 in der Ratssitzung am 19. Februar 2026

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Krützen,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

heute verabschieden wir den Haushalt 2026 der Stadt Grevenbroich. Und ich möchte für die FDP-Fraktion klar sagen: Wir stimmen diesem Haushalt zu.

Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er in der Gesamtabwägung verantwortbar ist – und weil er Chancen eröffnet. Chancen für wirtschaftliche Stärke, für erfolgreichen Strukturwandel und für Investitionen ohne zusätzliche Belastungen für unsere Bürgerinnen und Bürger.

1. Wirtschaftliche Perspektive stärken

Grevenbroich steht wirtschaftlich an einem Wendepunkt. Jahrzehntelang war unsere Stadt geprägt durch Energieerzeugung und industrielle Großstrukturen. Doch der Strukturwandel ist hier in vollem Gange.

Und deshalb gilt: Ein starker Haushalt ist kein Selbstzweck. Er ist die Grundlage dafür, wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen:

  • durch die Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen,
  • durch eine moderne, digitale Verwaltung
  • und durch eine Infrastruktur, die Unternehmen hier hält und neue anzieht.

Wirtschaftspolitik auf kommunaler Ebene bedeutet: Rahmenbedingungen schaffen. Es bedeutet nicht, alles selbst zu machen – sondern private Initiative zu ermöglichen.

Der Haushalt 2026 setzt hier wichtige Akzente. Er stärkt investive Ansätze, statt konsumtive Ausgaben weiter ausufern zu lassen. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Erst kürzlich hat der Bürgermeister den auf unsere Initiative hin initiierten Gründungspreis erstmals verleihen können. Wir konnten beim Neujahrsempfang alle sehen, dass Menschen ihr wirtschaftliches Glück bei uns erfolgreich versuchen zu verwirklichen. Das wollen wir weiter unterstützen und stärken. Wirtschaftlicher Mut soll ein Zuhause in Grevenbroich haben. Die Wirtschaftsförderung wird dabei unterstützen und den Weg für gute Rahmenbedingungen bereiten. Das muss Priorität für uns haben.

Denn nur wenn Unternehmen hier investieren, Arbeitsplätze entstehen und Wertschöpfung vor Ort bleibt, sichern wir langfristig unsere Handlungsfähigkeit.

2. Strukturwandel aktiv gestalten

Der Strukturwandel ist derzeit keine abstrakte Debatte mehr – er ist Realität. Der Ausstieg aus der Braunkohle betrifft unsere Region unmittelbar. Für Grevenbroich heißt das: Wir verlieren nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Identität und gewachsene wirtschaftliche Strukturen. In wenigen Tagen wird der Kühlturm Q am Kraftwerk Frimmersdorf kontrolliert gesprengt. Das wird ein hochemotionaler Tag für viele Menschen – besonders im Süden der Stadt. Dann verschwindet ein sichtbares Zeichen, das für Arbeitsplätze, Energiegewinnung und Wohlstand vieler Grevenbroicher Familien über Generationen hinweg stand. Gleichzeitig entstehen dort peu à peu neue Arbeitsplätze rund um die Digitalwirtschaft. Deshalb wird der seit Jahrzehnten abstrakt beschriebene Strukturwandel im Stadtbild nun definitiv sichtbar. Wir sind hoffnungsfroh, dass Grevenbroich auch in Zukunft wirtschaftlich stark bleibt und damit zukunftsfest wird.

Dafür braucht es Mut zur Veränderung. Und es braucht Investitionen in Zukunftsprojekte – nicht in die Verwaltung des Status quo.

Der Haushalt 2026 trägt dem Rechnung. Er ermöglicht Investitionen in Infrastruktur, Bildung und wirtschaftsnahe Projekte. Er schafft Spielräume, um Fördermittel sinnvoll zu nutzen. Leider ist aktuell immer noch nicht klar, ob Strukturwandelmittel des Landes auch für die Stadtteile Gindorf und Gustorf zur Verfügung gestellt werden können. Hier herrscht immer noch keine Klarheit, nachdem wir die Handlungsnotwendigkeiten im Strukturwandelausschuss im letzten Herbst besprochen haben.

Wichtig ist aus Sicht der FDP: Strukturwandel darf nicht bedeuten, dass wir dauerhaft von Subventionen abhängig werden. Unser Ziel muss eine eigenständige, tragfähige Wirtschaftsstruktur sein. Aber die am meisten betroffenen Stadtteile sollten Unterstützung auf dem Weg in die Zukunft erfahren. Während Frimmersdorf und Neurath sehen, dass es vorangeht, schauen Gindorf und Gustorf derzeit dabei noch etwas in die Röhre. Diese Stadtteile darf man nicht vergessen.

Denn unser Anspruch muss sein: Wir wollen, dass Grevenbroich nicht „betroffen“ ist vom Wandel – sondern ihn aktiv gestaltet.

3. Investitionen ohne Steuererhöhungen – ein klares Signal

Ein besonders wichtiger Punkt für uns als Freie Demokraten ist: Dieser Haushalt kommt ohne Steuererhöhungen aus. Das ist, wenn man sich umschaut in der Nachbarschaft, leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Der Verzicht auf Steuererhöhungen ist kein Zufall. Er ist ein politisches Signal.

Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wäre es der falsche Weg, Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zusätzlich zu belasten. Wer investieren soll, wer Arbeitsplätze schaffen soll, wer hier bauen oder gründen möchte – der braucht Planungssicherheit und keine höheren Hebesätze.

Investitionen sind möglich, wenn man Prioritäten setzt.

Investitionen sind möglich, wenn man effizient wirtschaftet.

Investitionen sind möglich, wenn man Fördermittel klug einbindet.

Das zeigt dieser Haushalt.

Natürlich bedeutet das auch Disziplin. Es bedeutet, nicht jedem Wunsch nachzugeben. Es bedeutet, Ausgaben kritisch zu prüfen und langfristig zu denken. Aber genau das ist verantwortungsvolle Finanzpolitik.

Für uns gilt: Strenge Ausgabenkontrolle und Zukunftsinvestitionen sind kein Widerspruch. Sie gehören zusammen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Cremerius

Stellvertretender Vorsitzender